Bonn, 30 Jan. 2026, 19.00
Ein Dorf am Ende der Welt, ein junger Mann, der bleibt, während alle anderen gehen: In seinem Debüt entwirft Mattias Timander ein eindringliches Porträt des Lebens in einem abgelegenen nordschwedischen Dorf. Die karge Landschaft wirkt zugleich faszinierend und bedrohlich, die Menschen sind eng verwoben und doch voller unergründlicher Risse – eine Welt, in der schweigende Geheimnisse lauern und die Wahrheit sich nur schemenhaft offenbart.
Erst als der Protagonist zu lesen beginnt, eröffnet sich ihm eine neue, faszinierende Wirklichkeit. Die Literatur wird zum Strom, der seine Gedanken mitreißt und ihn schließlich in die große Stadt trägt. Dort begegnet er einer manischen Literatin und taucht ein in das pulsierende Leben der Bohème. Doch die Antworten, nach denen er sucht, bleiben vage – bis ein unvorhergesehenes Ereignis die Weichen neu stellt und ihn zum Handeln zwingt.
Dein Wille wohnt in den Wäldern ist eine stille, unerschrockene Auseinandersetzung mit Identität, Zugehörigkeit und der Sprache als Grenze und Brücke. Der Roman ist zugleich eine fiktionale Verarbeitung der Geschichte von Timanders verstorbenen Großeltern und ihrer tornedalischen Herkunft.
Im Original ist das Werk ein faszinierendes Geflecht aus nordschwedischem und tornedalischem Dialekt sowie der Minderheitensprache Meänkieli, das die Vielschichtigkeit von Herkunft und Identität lebendig widerspiegelt. Hanna Granz hat diese sprachliche Vielfalt mit großer Sensibilität und sprachlichem Feingefühl ins Deutsche übertragen – wobei ihr insbesondere die Wiedergabe des eindringlichen Schweigens, das im Roman eine zentrale Rolle spielt, hervorragend gelungen ist.
Mattias Timander wurde 1998 in Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens, geboren und gehört der ethnischen Minderheit der Tornedaler an. Heute lebt er in Stockholm, wo er als Kulturjournalist und freier Autor tätig ist. Er studierte Literaturwissenschaft in Stockholm und war zwischen 2018 und 2020 mit 20 Jahren der jüngste Bürgermeister in der Geschichte Schwedens. Anschließend arbeitete er bis 2022 für die Bonnier Verlagsgruppe, wo er Autorengespräche moderierte.
Hanna Granz wurde 1977 in Ostfriesland geboren, ist im Ruhrgebiet aufgewachsen und zur Schule gegangen. Nach ihrem Studium der Skandinavistik in Bonn und Greifswald war sie einige Jahre als Mitarbeiterin des Literaturhauses Leipzig tätig. Seit 2012 arbeite sie als freiberufliche Übersetzerin, vor allem aus dem Schwedischen. In diesem Zusammenhang hat sie an verschiedenen Seminaren und Weiterbildungen teilgenommen, u.a. an der Berliner Übersetzerwerkstatt 2017 und der ViceVersa Deutsch-Schwedisch-Werkstatt 2022 in Straelen. Seit April 2019 lebt sie mit ihrer Familie in Wanfried an der Werra.
In Kooperation mit der Abteilung für skandinavische Sprachen der Universität Bonn und der Stadtbibliothek Bonn
Gefördert von Svenska institutet und der Weltlesebühne e.V.
Saal im Haus der Bildung
Mülheimer Platz 1, Bonn
Karten im VVK über Bonnticket 16€ / 12,80€ / 8€ /, Abendkasse 18€ / 14€ / 10€
EINTRITT FÜR STUDIERENDE DER UNIVERSITÄT BONN FREI