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12.-28.04.2019 Leben um jeden Preis - Retrospektive Bo Widerberg

Berlin, 11 Apr 2019 - 28 Apr 2019

Leidenschaftliches Aufbegehren, der Sturm und Drang des unbedingten Erzählen-Müssens brachten ihn zum Film, und in seinen 13 Langfilmen verwirklichte er seine Vision von einem Kino, das soziales Engagement und romantische Hingabe vereint, den Kampf des Menschen für ein würdevolles und selbstbestimmtes Leben in großen, klaren Bildern gestaltet, untersucht und feiert: Der schwedische Filmemacher Bo Widerberg (1930–1997) hinterließ ein schillerndes, facettenreiches Werk und galt schon zu Lebzeiten neben Ingmar Bergman und Victor Sjöström als einer der wichtigsten schwedischen Regisseure. Im Gegensatz zu ihnen ist sein OEuvre außerhalb seiner Heimat nur unzureichend bekannt. „Kunst ist eine Möglichkeit der Selbstverteidigung, um das Leben nicht vorbeiziehen zu lassen, ohne sich dazu geäußert zu haben“, sagte Widerberg einst. In Malmö als Kind einer Arbeiterfamilie geboren, musste er sich den Weg zur Kunst hart erarbeiten. Schon in frühen Jahren wurde er als Schriftsteller und Filmkritiker bekannt und plädierte in seinen Artikeln, analog zu seinen zeitgenössischen Kollegen in Frankreich oder Deutschland, für ein neues, zeitgemäßes Kino. Dem Anfang der 60er Jahre weltweit gefeierten Ingmar Bergman warf Widerberg öffentlich vor – bei aller Bewunderung für dessen Werk als solches –, Filme ohne Interesse für soziale Verhältnisse zu drehen, und er publizierte eine ganze Essaysammlung über mögliche neue Visionen für das schwedische Kino. Kurz darauf bekam er als filmischer Autodidakt die Chance, seine ersten eigenen Regiearbeiten zu realisieren. Mit BARNVAGNEN (1963) leitete Widerberg maßgeblich eine schwedische Nouvelle Vague ein, zusammen mit Gleichgesinnten wie Jan Troell, Roy Andersson und Vilgot Sjöman, wandte sich aber bald schon anderen Genres und Formen zu. In den Jahren 1967 bis 1976 war fast jeder seiner Filme ein internationaler Erfolg, ab Ende der 70er Jahre dagegen konnte er – wegen einer sich verändernden Kinolandschaft sowie auch aufgrund seines schwierigen, impulsiven Charakters – nur noch wenige Kinofilme realisieren und arbeitete viel fürs Fernsehen. Die Retrospektive präsentiert erstmals in Berlin die Gesamtheit seiner Kinospielfilme, zwei Kurzfilme, einen äußerst selten gezeigten Kollektiv-Dokumentarfilm, an dem Widerberg als einer von 13 Regisseuren arbeitete, sowie (20 Jahre nach ihrer Erstaufführung im Forum der Berlinale) eine Dokumentation von Stefan Jarl über das Schaffen Bo Widerbergs. Die Retrospektive wird von Einführungen begleitet.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Schwedischen Botschaft Berlin.

Kino Arsenal
Potsdamer Str. 2
10785 Berlin

Homepage: www.arsenal-berlin.de