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05.-11.06.2020 Poesiefestival Berlin - Online-Edition

Berlin, global, 05 Jun 2020 - 11 Jun 2020

Die Online-Edition des poesiefestival berlin (5. – 11. Juni) #planetpgoeson ermöglicht der jährlichen großen Eröffnung des Festivals Weltklang – Nacht der Poesie zum ersten Mal auch ein weltweites Publikum. Die Premiere wird am 5. Juni um 19.30 Uhr auf der Facebook-Seite des Festivals und dem YouTube-Kanal des Hauses für Poesie sowie auf der Festivalseite poesiefestival.org gesendet.

Die neun beteiligten AutorInnen Mircea Cărtărescu (Rumänien), Michael Donhauser (Österreich), Athena Farrokhzad (Iran/Schweden) mit dem Musiker Christian Kesten (Deutschland), Yanko González (Chile), Luljeta Lleshanaku (Albanien), Koleka Putuma (Südafrika) mit der Musikerin Tracy September (Südafrika/Schweiz), Ariana Reines (USA), Katharina Schultens (Deutschland) und Yi Won (Südkorea) zeigen den Reichtum der Gegenwartslyrik, ihre inhaltliche Vielfalt, Ansätze und Stile. Ihre Gedichte umkreisen in Zeiten der Pandemie explizit das Thema ‚Ausnahmenzustand‘. Vor ihren heimischen Bildschirmen haben sie ihre Texte in sieben Muttersprachen gelesen, gesungen und performt, jetzt läuft die Postproduktion in Berlin. Durch den Abend führt die Literaturkritikerin Insa Wilke. Das Online-Publikum kann, wie bei jeder Ausgabe von Weltklang, die deutschen Nachdichtungen mitlesen.

Überblick zu den beteiligten AutorInnen

Mircea Cărtărescu (geboren 1956 in Bukarest) ist ein Prosaschriftsteller von unbestrittenem Weltrang. Seine Lyrik hingegen ist ein ungehobener Schatz. Es sind Texte, die bewusst nicht geschrieben wurden mit abgespreiztem kleinen Finger, sie sind monoman und lebenssüchtig, dabei stets politisch unkorrekt und durchwachsen vom Speck der Erfahrung.

Die Gedichte von Michael Donhauser (geboren 1956 in Vaduz, Liechtenstein) verhandeln, musikalisch gebunden, mit kleiner Geste die großen Themen: Zeitlichkeit, Gleichzeitigkeit, Vergehen. Das lyrische Ich stellt dabei eher einen Filter dar denn eine die Welt auslegende Instanz. So entsteht, in den Worten des Dichters, „ein Schimmern in Silben ein Sagen ohnegleichen“.

Athena Farrokhzad (geboren 1983 im Iran) lebt in Stockholm und schreibt auf Schwedisch. In ihren Arbeiten verschmilzt sie lyrische, politische und konzeptuelle Verfahren. Fragen nach Migration und Revolution, nach Rassismus, Erbe und Assimilation werden in ihren Gedichten fast szenisch verhandelt. Bei Weltklang tritt Farrokzhad zusammen mit dem Vokalisten Christian Kesten auf.

Yanko González‘ (geboren 1971 in Santiago de Chile) Werk ist ein Meilenstein innerhalb der chilenischen Tradition nach dem Ende der Diktatur. Seine Gedichte wurzeln im Mündlichen und erforschen die Ränder der Gesellschaft. Er experimentiert mit Soziolekten und parodiert akademische Fachsprachen. Nach eigener Auskunft will er Texte für die Menschen schreiben und keine Mausoleen errichten, die die LeserInnen ausschließen.

Luljeta Lleshanaku (geboren 1968 in Elbasan) erneuerte die albanische Dichtung nach dem Ende der Hoxha-Diktatur fast im Alleingang. Das, was in ihrem Land stalinistisch kontaminiert war (Tradition, Politik und Sentimentalität), schied sie radikal aus ihren Texten aus. Ihre Gedichte sind abgründig, einfach und hypnotisch wie „Arabesken, die aus einem Schlaf erwachen“.

Koleka Putuma (geboren 1993 in Port Elizabeth, Südafrika) eroberte als Dramatikerin und Spoken-Word-Künstlerin die südafrikanische Literaturwelt im Handumdrehen. Ihre Gedichte sezieren Konzepte von Autorität. Sie sprechen über Ungleichheit und Gewalt – direkt, kraftvoll und heftig. Schmerz und Freude, Trauer und Erinnerung, Liebe und Sex finden alle einen Platz darin.

Ariana Reines‘ (geboren 1982 in Salem, Massachusetts) Gedichte strotzen vor ungezügelter Grrrl-Wildheit, sie springen die LeserInnen an. In ihnen herrscht eine erdrückende Körperlichkeit. Reines schreibt über die Gewalt, die Menschen den Tieren und Männern den Frauen zufügen, und macht die Verletzungen am Sprachkörper selbst spürbar: „glv ovr me. Brns; ozne.“

Katharina Schultens (geboren 1980 in Kirchen (Sieg)) vereint in ihrer Lyrik Fachsprachen mit dunkler Romantik, Wut mit Hoffnung, politische Analyse mit tief persönlichen Bildwelten. In Zeilen, die sich organisch zu entwickeln scheinen wie bislang unbekannte Pflanzenformen, wird die Wahrnehmung der Lesenden abgetastet, seziert und neu zusammengesetzt.

Yi Wons (geboren 1968 in Hwaseong, Gyeonggi-do) Gedichte entführen die LeserInnen in eine surreale Welt mit monströsen Körperphantasien. Es sind dystopische Fieberträume, in denen Mensch und Maschine miteinander verschmelzen, transplantierte Glasfaserelektroden drahtlos Signale in die Welt senden und kybernetische Organismen das Schreiben und Rezensieren von Gedichten übernehmen.

FR 5.6.2020, 19:30 Uhr | Video
WELTKLANG – NACHT DER POESIE

Facebook: @poesiefestivalberlin
YouTube: @hausfuerpoesie
poesiefestival.org
www.haus-fuer-poesie.org/

Projektleiter: Alexander Gumz | Matthias Kniep

Das poesiefestival berlin findet seit 2000 statt und ist das größte seiner Art in Europa. Neben dem Buch hat sich die Dichtkunst längst auch andere Präsentationsformen gesucht und experimentiert mit Theater, Performance, Musik, Tanz, Film und digitalen Medien. Das Festival macht Poesie in ihrer ganzen Formenvielfalt erlebbar und zählt bis zu 13.000 BesucherInnen jedes Jahr. Erstmals in seiner 21-jährigen Geschichte findet es 2020 als Online-Festival statt.

Letzte Aktualisierung 11 Mai 2020, 10.01